Forschung

Aktuelle Forschungsthemen

  • Grade der Finitheit als Grade der Abhängigkeit in eingebetteten Sätzen

    Es ist längst klar, dass eine binäre Unterscheidung zwischen finiten und nicht-finiten Satztypen nicht ausreichend ist. Wir müssen stattdessen eine Reihe von Graden der Unabhängigkeit nach mindestens zwei Dimensionen erkennen -- eine referentielle Dimension, die vor allem die Interpretation des Subjektes betrifft, und eine temporale Dimension. Satztypen unterscheiden sich, inwiefern sie sich in diesen beiden (und eventuell auch in anderen) Dimensionen unabhängig oder von einem Obergeordneten Satz abhängig sind. Meine Forschung in diesem Bereich verfolgt die Hypothese, dass die Satztypen einer Sprache trotzdem eine einzelne Hierarchie bilden, also dass sie streng geordnet werden können nach dem Grad ihrer (Un)abhängigkeit, und dass dies sich in den syntaktischen Strukturen niederschlägt: unabhängigere Sätze haben größere Strukturen, abhängigere kleinere. (z.T. in Zusammenarbeit mit Torgim Solstad (ZAS, PB3), Tonjes Veenstra (ZAS, PB4) und Sandhya Sundaresan (Universität Leipzig))

    In Zusammenarbeit mit meinen Kollegen Kerstin Schwabe und Torgrim Solstad im PB3, und mithilfe unserer Datenbank satzeinbettender Prädikate, untersuche ich dabei, wie die (abhängigkeits- und finitheitsrelevanten) Eigenschaften eines eingebetteten Satzes von denen des einbettenden Prädikates bestimmt und beeinflusst werden.

    ["Towards a theory of the typology of clausal dependency", Handout von einem Vortrag am ZAS, Oktober 2013 (PDF)]
    [McFadden, Thomas. 2014. On subject reference and the cartography of clause types: A commentary on the paper by Biswas. Natural Language and Linguistic Theory 32. 115-136.]


  • Kasusstrukturen und Kasustheorien

    Ich arbeite zur Zeit an drei Themen, die mit der theoretischen Behandlung von Kasusmorphologie und verwandten syntaktischen, semantischen und phonologischen Erscheinung zu tun haben. Erstens erforsche ich die kasusbedingte Verteilung von irregulären Nominalstammformen, und vertrete die Hypothese, dass dies den Nominativ aussondert, was eventuell wichtige Einsichten in die Struktur von Kasuskategorien liefert.
    ["Why nominative is special: Stem allomorphy and case structures", Handout von einem Vortrag bei GLOW, April 2014 (PDF)]

    Zweitens entwickle ich eine neue Theorie der Unterscheidung zwischen strukturellem und inhärentem Kasus, die ihre Inspiration aus zwei momentan konkurrierenden und beim ersten Blick sich widersprechenden Kasustheorien schöpft.
    ["Deducing the structural/inherent/quirky case distinction from competing theories of case", Handout von einem Vortrag bei CGSW, September 2014 (PDF)]

    Drittens untersuche ich, in Zusammenarbeit mit Sandhya Sundaresan (Universität Leipzig), die Distribution von nominativ-markierten DPs in unerwarteten Positionen in einer Reihe von Sprachen, was uns dazu führt, den Nominativ nicht nur in solchen Fällen, sondern ganz allgemein, als Defaultkasus zu analysieren.

  • Das verbale Präfix ge- in der Geschichte des Englischen

    Das altenglische hatte ein Verbalpräfix ge-, das mit dem deutschen ge- in geschlagen, gehören stammverwandt ist. Seine Distribution war denen seiner germanischen Verwandten ähnlich, aber mit interessanten Unterschieden in den Einzelheiten, und das Suffix ist im Laufe der weiteren Entwicklung der Sprache verlorengegangen, wohingegen es im Deutschen und Niederländischen zu einem festen Teil der regulären Flektion und der irregulären Derivation geworden ist. In einer großangelegten Korpusstudie, und mithilfe von modernen Theorien von Aspekt und verbaler Struktur, versuche ich die syntaktischen und semantischen Eigenschaften des Suffixes im Altenglischen zu erfassen, sowie seine weitere Entwicklung und seinen allmählichen Verlust zu verstehen.
    ["Preverbal ge- in Old and Middle English", Juli 2015, erscheint in ZASPiL]

  • Eine alternative Phasentheorie: Zusammentun statt Auseinandernehmen

    In Arbeit, die sich noch in einem sehr vorläufigen Stadium befindet, verfolge ich eine alternative Vorstellung von Chomskys Theorie, dass die syntaktische Derivation in punktuierten Abschnitten -- sog. Phasen -- erfolgt, die abgeschlossen und entfernt werden und somit Lokalitätsdomänen bestimmen. Ich betrachte die Phasen als Module, die unabhängig voneinander aufgebaut, und dann am Ende zusammengenäht werden. Die Lokalitätseffekte leiten sich aus den Eigenschaften der Nähoperation ('Stitch'), die die Phasen tatsächlich als Module behandelt, also also opake Domänen mit transparenten Schnittstellen.
    ["Stitching phases together: Domains and edges as modules and interfaces", Handout von einem Vortrag in Leipzig, Dezember 2014 (PDF)]