Forschungsthemen

Zur Herleitung syntaktisch wohlgeformter Sätze ist neben einem allgemeinen syntaktischen Regelwerk eine lexikalische Komponente erforderlich, die die spezifischen syntaktischen Vorgaben der betreffenden Prädikate erfasst. Der lexikalische Einfluss auf die Syntax zeigt sich insbesondere bei satzeinbettenden Prädikaten wie behaupten, fragen, versprechen, sich weigern, scheinen etc.: So unterscheiden sich beispielsweise Prädikate im Hinblick auf den Satztyp des eingebetteten Satzes (fragen, ob ... aber nicht fragen, dass ..., behaupten, dass ... aber nicht behaupten, ob ..., sich weigern zu ... aber nicht sich weigern, dass ...) oder der durch sie auftretenden Implikationen (x verspricht y zu kommen  → x versucht zu kommen; x überredet y zu kommen → y soll kommen).

Im Programmbereich wird eine Datenbank zu satzeinbettenden Prädikaten der verschiedenen Sprachen und Sprachstufen verwendet und fortwährend erweitert, um Abfragen zu Prädikatsklassen zu ermöglichen und eine nachhaltige Erfassung der Daten zu garantieren. In die Datenbank werden jeweils annotierte Korpusbelege aufgenommen, die das Einbettungsverhalten der betreffenden Prädikate nach Möglichkeit umfassend dokumentieren. Der gegenwartsdeutsche Teil der Datenbank ist jetzt zugänglich als Public Beta unter http://www.owid.de/plus/zasembed2017/. Diese veröffentlichte Version, sowie ihre eigens entwickelte Suchoberfläche, wurde durch eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Deutsche Sprache ermöglicht, auf dessen OWIDplus-Plattform die Datenbank gehostet wird.

Im Teilbereich Status und Realisierung des Satzarguments untersuchen wir sprachvergleichend zwei bislang relativ vernachlässigte Aspekte der Satzeinbettung: Mittels welcher Kasus/Adpositionen werden Satzargumente realisiert (z. B. im Deutschen optionales Korrelat bei (dar-auf) hoffen und bei sich (dessen) bewusst sein, aber obligatorisches Korrelat bei dar-auf bestehen)? Welche Operationen, die ein Prädikat um ein Satzargument erweitern oder reduzieren (z. B. jemandem einhämmern, dass..., aber nicht hämmern, dass...), finden sich in den Sprachen der Welt?

Im Teilbereich Frageeinbettung untersuchen wir die frageeinbettenden Prä­di­ka­te, welche ihrer semantischen Eigenschaften welche logische Form des komplexen Satzes bedingen, z.B. Max hört, ob Lea kommt wird durch die Disjunktion 'Max hört, dass Lea kommt oder Max hört, dass Lea nicht kommt' paraphrasiert oder Max schließt aus den Messwerten, ob es ge­schneit hat lässt als Paraphrase zu 'Wenn A, dann schließt Max daraus, dass es ge­schneit hat und wenn nicht A, dann schließt Max daraus, dass es nicht ge­schneit hat. Des Weiteren wird untersucht, auf welchen Aspekt einer Frage sich die jeweilige Ein­bettungskonstruktion bezieht, z.B. (wahre) Antwort auf die Frage bei wissen und gestehen, Bedingungen für die Beantwortung einer Frage bei berücksichtigen, Report einer indirekten Aufforderung oder Mitteilung bei anbetteln und witzeln, Art der Frageäußerung bei jammern, etc.

Im Teilbereich Nicht-kanonische Argumentrealisierung untersuchen wir sprachvergleichend Prädikatklassen, deren propositionale Argumentstellen nicht kanonisch spezifiert werden. So kann das Satzargument bei bestimmten Prädikaten durch ein Adverbial realisiert werden: Er bedauert es, wenn sie krank ist. Oder es wird in bestimmten Konstruktionstypen durch einen ob-Satz zur Verfügung gestellt, obwohl das Matrixprädikat keine Interrogative selegiert: Wir können es weder bestätigen noch widerlegen, ob der Kurs gefallen ist.

Im Teilbereich Implizite Kausalität entwickeln wir eine semantische Theorie der implizit kausalen (IC) Verben, die unter anderem (satzeinbettende) Psychverben umfassen. Die Analyse berücksichtigt sowohl die Tendenz dieser Verben, Erklärungen im Diskurs hervorzurufen als auch die Präferenzen für eine anaphorische Referenz auf nur eines der beiden Verbargumente in diesen Erklärungen. Zusätzlich zur theoretischen Analyse führen wir noch psycholinguistische Experimente durch, unter Einsatz von sowohl Online- (z.B. Eyetracking beim Lesen) als auch Offlinemethoden (etwa Produktionsexperimente).

Im Teilbereich Finitheit und Abhängigkeit bei Satzeinbettung gehen wir dem Begriff der Finitheit auf den Grund. Wir versuchen die unterschiedlichen Grade an Finitheit, die sich bei unterschiedlichen eingebetteten Satztypen erkennen lassen, durch den Ausmaß der Abhängigkeit des eingebetteten Satzes vom Matrixsatz zu verstehen. Diese Abhängigkeit kann man in mindestens zwei Dimensionen erkennen -- bei der Referenz des Subjektes und bei der temporalen Interpretation. Wir untersuchen inwieweit diese Grade der Abhängigkeit in der syntaktischen Struktur realisiert werden, und wie dies mit den semantischen Eigenschaften der satzeinbettenden Prädikate interagiert.

Im Teilbereich Satzeinbettende Prädikate in Kreolsprachen beschäftigen wir uns mit dem aus einem Sprachkontakt resultierenden Wandel von satzeinbettenden Prädikaten. In Kreolsprachen liegt eine Kontaktsituation zwischen einer Superstratsprache (typischerweise eine europäische Sprache) und einer oder mehreren Substratsprachen (z. B. westafrikanische Sprachen) vor. Uns interessiert, inwieweit die satzeinbettenden Prädikate das lexikalische Verhalten entsprechender Prädikate aus dem Superstrat oder Substrat aufweisen oder davon unabhängige Verwendungen entwickelt haben, die auf allgemeine Prinzipien der Satzkomplementation und Semantik-Syntax-Abbildungsbeziehungen zurückgeführt werden können.







Förderung

Förderzeitraum

2014-2019

Koordination

Dr. Thomas McFadden