Anaphorisches Potential von inkorporierten Nominalen und schwachen Definiten (ANAPIN)

Das Projekt untersucht die Semantik von verschiedenen Formen der nominalen Inkorporation (insbesondere der pseudo- oder syntaktischen Inkorporation) und von schwachen Definiten. Im Vordergrund steht dabei das anaphorische Potential von solchen Ausdrücken, d.h. die Frage, ob Sprecher sich im folgenden Diskurs auf die inkorporierten Nomina oder die schwachen Definite beziehen können. Einschlägige Beispiele im Deutschen:

(a) Fritz hat Zeitung / eine Zeitung gelesen. Er fand sie interessant.
(b) Fritz ist ins Kino / in das Kino gegangen. Es befindet sich im Stadtzentrum.

Die anaphorische Beziehung ist bei regulären Indefiniten ("eine Zeitung") und Definiten ("in das Kino") leicht etablierbar, aber auch bei inkorporierten Nomina ("Zeitung") und schwachen Definiten ("ins Kino") eingeschränkt möglich.

Das Projekt untersucht in dieser Hinsicht auch das Persische, das sich in systematischer Weise vom Deutschen unterscheidet: Es gibt keine Definitheitsmarkierung, aber verschiedene Indefinitheits-markierungen; und es gibt eine differentielle Objektsmarkierung, deren Fehlen als syntaktische Inkorporation des Objekts verstanden werden kann. Es wird die Hypothese verfolgt, dass bloße Nomina in Objektsposition stets definit sind: stark definit mit der Objektsmarkierung, schwach definit ohne diese.

Die Bedingungen für die anaphorische Wiederaufnahme sollen im Projekt systematisch und experimentell für das Deutsche und das Persische bestimmt werden. Es wird erwartet, dadurch Aufschluss über die Möglichkeiten der syntaktischen Kombination von nominalen Argumenten und verbalen Prädikaten, über ihre semantische Interpretation und über die damit einhergehenden Diskurseffekte zu erhalten. Ziel ist ein besseres Verständnis der Beziehung zwischen syntaktischer Struktur und semantischer Interpretation, wobei nicht nur satzinterne Phänomene, sondern auch satzübergreifende Diskurseigenschaften berücksichtigt werden sollen.







Förderung

DFG

Förderzeitraum

01.10.2016 - 30.09.2019

Leitung

Dr. Werner Frey & Prof. Dr. Manfred Krifka