Dienstag, 13.6.2017

Prof. Dr. Jonathan David Bobaljik
(
ZAS/University of Connecticut):
Die itelmenische Sprache von Kamtschatka — am Rande der Existenz

Östlich von Sibirien, im russischen Fernen Osten, liegt die dünn besiedelte Halbinsel Kamtschatka, zu deren Ureinwohnern etwa 3.000 Itelmenen zählen. Die itelmenische Sprache gilt wie 50-90% der 7.000 Sprachen der Welt als bedroht, da nur mehr sehr wenige Itelmenen (weniger als 10) die Sprache noch als Muttersprache sprechen. Im Zuge von Sprachrevitalisierungsprogrammen nehmen jedoch seit einigen Jahren Itelmenen an Sprachkursen und gesellschaftlichen Veranstaltungen wie Teestunden teil.Die Geschichte des Schwindens und des Existenzkampfs dieser Sprache hat politische und soziale Ursachen, die viele Parallelen zu anderen bedrohten Sprachen aufweisen. Von einem linguistischen Standpunkt bietet die itelmenische Sprache viele Besonderheiten und Merkmale, die Aufschluss auf die Frage geben, inwiefern Sprachen sich voneinander unterschieden. Itelmen trägt daher zur Thematik der Sprachuniversalien, d.h. den Eigenschaften, die allen Sprachen der Welt gemein sind, bei, wenngleich oft auch nur auf einer abstrakten Ebene. Des Weiteren finden wir im Vergleich von modernen itelmenischen Texten mit Texten aus dem vorherigen Jahrhundert ein Beispiel von rasantem Sprachwandel unter dem Einfluss des Russischen.

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Ort: Dorotheenstrasse 24, 10117 Berlin, Raum 1.101
Zeit: 18.30 Uhr

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Gemeinsame Vortragsreihe von
ZAS Berlin, Institut für deutsche Sprache und Linguistik der HU Berlin und Institut für Philosophie der HU Berlin

Ort: Dorotheenstraße 24, 10117 Berlin, Raum 1.101
Zeit: 18:30 Uhr