23.1.2018

Prof. Maribel Romero; PhD (U Konstanz)
Was wir tun, wenn wir eine Frage stellen

Wenn ich etwas weiß, was du nicht weißt, aber wissen solltest oder möchtest, äußere ich einen Deklarativsatz, z.B. "Ich komme aus Barcelona". Wenn du etwas weißt, das ich nicht weiß, aber wissen sollte oder möchte, stelle ich dir eine Frage, z.B. "Woher kommst du?". Deklarativsätze dienen also dazu, Informationen zu liefern, und Interrogativsätze dienen dazu, Informationen anzufordern.

Aber… ist das wirklich alles, was wir tun, wenn wir einen Interrogativsatz äußern? Die Sätze in (1) fordern die gleiche Information an: Ich will, dass Sie bestätigen (mit einer "Ja" Antwort) oder verneinen (mit einer "Nein" Antwort), ob Sie ein Glas Sekt möchten. Trotzdem haben die zwei Sätze verschiedene Nutzbedingungen: (1a) wirkt perfekt als Angebot oder Einladung, (1b) hingegen eher… nicht.

(1)       a. Möchten Sie ein Glas Sekt?

            b. Möchten Sie ein Glas Sekt oder nicht?

Und was ist mit den Interrogativsätzen in (2)? Die angeforderte Information bleibt gleich in allen drei Sätzen. Aber (2b) und (2c) bringen noch mehr mit sich: Sie drücken die epistemische Neigung des Sprechers gegenüber der Präposition im Satz aus; mit (2c) teilt der Sprecher z.B.  mit, dass er im Prinzip denkt oder erwartet, dass es ein vegetarisches Restaurant in der Nähe gibt.

(2)       a. Gibt es ein vegetarisches Restaurant in der Nähe?

            b. Gibt es kein vegetarisches Restaurant in der Nähe?

            c. Gibt es nicht ein vegetarisches Restaurant in der Nähe?

In diesem Vortrag untersuchen wir, welche Bedeutungsschichten in Interrrogativsätzen zu unterscheiden sind und wie sie in der Grammatik aufgebaut werden.

Ort: Dorotheenstrasse 24, 10117 Berlin, Raum 1.101
Zeit: 18:15 Uhr

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Gemeinsame Vortragsreihe von
ZAS Berlin, Institut für deutsche Sprache und Linguistik der HU Berlin und Institut für Philosophie der HU Berlin

Ort: Dorotheenstraße 24, 10117 Berlin, Raum 1.101
Zeit: 18:15 Uhr