26.6.2018

Dr. Sabine Ziegler (HU Berlin): Entzifferte Geheimnisse: Wie "knackt" man alte unbekannte Sprachen?

Auch heute noch werden bei archäologischen Grabungen immer wieder Schriftzeugnisse vergangener Kulturen und Sprachen gefunden. Oft sind deren Schrift und Sprache bekannt. Manchmal aber auch nicht! Wie man solche Textzeugnisse trotzdem entschlüsseln kann, wird nach einer allgemeinen Einführung am Beispiel einiger neugefundener Textreste aus Nordafrika exemplarisch dargestellt. Diese kurzen Textfragmente sind zwar in lateinischer Kanzlei-Schrift geschrieben und daher eigentlich recht gut zu lesen, die zugrundeliegende Sprache konnte jedoch zunächst nicht bestimmt werden. Erschwerend kam noch hinzu, dass sie in sogenannter scriptio continua "fortlaufender Schreibung", das heißt ohne Lücke zwischen den einzelnen Wörtern (wie es in unserer Orthographie üblich ist), verfasst wurden; auch gibt es keine Groß- und Kleinschreibung, die eine Hilfestellung bei der Feststellung von Wortgrenzen und somit der Bestimmung und Übersetzung von Wörtern geboten hätte. unddadurcherkenntmankeinewortgrenzenunddadiespracheauchnochunbekannt
warkannmansichvorstellendassessehrschwierigistüberhauptetwaszuentziffern.

Die Gesamtheit aller lautlichen, die Wortstellung, Kongruenz und Wortbildung betreffenden Eigenschaften sowie der lexikalischen Merkmale ist aber nun für eine Einzelsprache ebenso charakteristisch wie die DNA oder der Fingerabdruck für einen Menschen. Wenn die  linguistischen Merkmale alter Sprachen zumindest weitgehend bekannt sind, so können Sprachwissenschaftler/innen die Sprache oder wenigstens ihre genetische Zuordnung zu einer Sprachfamilie eindeutig bestimmen. Es ist aber leicht nachzuvollziehen, dass aus so wenigen Textresten wie im vorliegenden Fall kein Gesamtbild zu ermitteln ist. Die Situation ist also vergleichbar mit der von Kriminalist/inn/en, die aus sehr wenigen Indizien wie z.B. einem unvollständigen Fingerabdruck oder dem Bruchstück einer DNA die Identität des Täters bestimmen müssen.Der Vortrag nimmt Sie mit auf eine (hoffentlich) spannende Spurensuche.

 

Ort: Dorotheenstrasse 24, 10117 Berlin, Raum 1.101
Zeit: 18:15 Uhr

zurück zum Programm







Gemeinsame Vortragsreihe von
ZAS Berlin, Institut für deutsche Sprache und Linguistik der HU Berlin und Institut für Philosophie der HU Berlin

Ort: Dorotheenstraße 24, 10117 Berlin, Raum 1.101
Zeit: 18:15 Uhr