Die Zukunft der Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem: Russisch und Türkisch im Fokus

Obwohl etwa die Hälfte der Menschen weltweit mehrsprachig ist und auch in Deutschland die Zahl mehrsprachiger Bürger stetig anwächst, wird Mehrsprachigkeit häufig noch nicht als Chance gesehen, sondern als Hindernis auf dem Weg zur erfolgreichen gesellschaftlichen Integration. Dabei bringt Mehrsprachigkeit viele Vorteile mit sich (vergl. Baker 2001; Bialystok 2001, 2004; Tracy 2008; u.a.) und ist eine große Ressource für die heutige Gesellschaft. Mindestens drei Sprachen zu sprechen ist eines der bildungspolitischen Leitziele der Europäischen Union und die Unterstützung der mehrsprachigen Sprachentwicklung bietet eine solide Basis für die weitere Lebensbahn.

Rund zwanzig Prozent der Einwohner Deutschlands verwenden in ihrer Familie neben Deutsch noch eine weitere Familiensprache. So wachsen in Deutschland hunderttausende Kinder mehrsprachig auf. Der Anteil der Menschen, die in ihrem Alltag neben Deutsch das Russische und das Türkische verwenden, ist dabei am höchsten.

Die deutschen Bildungsinstitutionen haben nur zögerlich auf die Tatsache reagiert, dass mehr und mehr Kinder mehrsprachig aufwachsen. Auch wenn es hier und da bilinguale Kindergärten und Schulen gibt, sind bilingualer Unterricht, der die in Deutschland gesprochenen Sprachen mit einbezieht und der Herkunftssprachenunterricht bundesweit nach wie vor Marginalien. Dabei ist der Bedarf deutlich größer als das Angebot und natürlich nicht auf die beiden Sprachen Türkisch und Russisch beschränkt.

Die Konferenz "Die Zukunft der Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem: Russisch und Türkisch im Fokus" hat zum Ziel, einen wissenschaftlichen und didaktisch-methodischen Beitrag zur gegenwärtigen Forschung und Praxis der Entwicklung des Türkischen und des Russischen im Bildungskontext zu liefern und den Austausch zwischen Experten aus der Mehrsprachigkeitsforschung, aus Bildungseinrichtungen, der Bildungspolitik und Migrantenverbänden zu fördern. Dabei soll die Wahrnehmung der Vorteile der Mehrsprachigkeit befördert und die positive Einstellung zur Mehrsprachigkeit und zum mehrsprachigen Spracherwerb bei Kindern gestärkt werden sowie wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis zugänglicher gemacht werden.

Aktuelle Fragestellungen werden einer breiteren Öffentlichkeit in Form von Plenarvorträgen und in zahlreichen Workshops, in denen auch „good practice“-Beispiele präsentiert werden, vertiefend und exemplarisch präsentiert. Unter Beteiligung internationaler ForscherInnen werden verschiedene Aspekte der Mehrsprachigkeit behandelt und Erfahrungen verschiedener Länder berücksichtigt. Das Themenspektrum reicht von der Notwendigkeit regelmäßiger Sprachstandserhebungen und deren Besonderheiten bei mehrsprachigen Kindern, der Bedeutung der ganzheitlichen/sprach-übergreifenden Sprachförderung in der frühen Kindheit und im Kindergarten, der Rolle der Familiensprache(n) bis hin zur zweisprachigen Alphabetisierung, zur interkulturellen Kompetenz und zu den Unterrichtsmöglichkeiten in der Schule.

Veranstaltet von:

  • Berliner Interdisziplinärer Verbund für Mehrsprachigkeit (BIVEM), angesiedelt am ZAS
  • Botschaft der Russischen Föderation in Deutschland
  • Türkische Botschaft Berlin
  • Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS), Berlin

Weitere Kooperationspartner:

  • Berliner Institut für interkulturelle Arbeit an der Alice Salomon Hochschule
  • dtz-bildung & qualifizierung Berlin
  • Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland e.V. (FÖTED)
  • Freie Universität Berlin
  • Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur Berlin
  • Technische Universität Berlin
  • Türkisches Generalkonsulat Berlin
  • Zentrum für Sprache, Variation und Migration, Universität Potsdam
  • Yunus Emre Enstitüsü, Türkisches Kulturzentrum Berlin