Eine formale Typologie des Genus (ToG)

Das Hauptziel dieses Forschungsprojekts ist die Entwicklung einer formalen Genustypologie im Sinne der Distributierten Morphologie (Halle & Marantz 1993, Halle 1997, Marantz 1997, u.a.). Diese Typologie soll aufzeigen, wie das Genus sowohl in unterschiedlichen Sprachen als auch innerhalb einer Sprache strukturell zugewiesen wird. Sie wird nicht nur separate Genussysteme (semantische oder grammatische), sondern auch gemischte Genussysteme (gleichzeitig semantisch und grammatisch) erklären können. Besonders letztere gelten als Problem für Theorien der Genuszuweisung. Diese Typologie ist möglicherweise in der Lage, die Genussysteme aller Sprachen der Welt zu erklären.

Diese Forschung wird wichtige Implikationen für die Korrelation zwischen Form und Funktion grammatischer Kategorien liefern. Die Vielfalt grammatischer Kategorien ist eines der Kernprobleme moderner linguistischer Theorien. Wie kann man die Spannung zwischen Sprachvielfalt und Sprachuniversalien erklären? Stimmen semantische Konzepte immer mit denselben syntaktischen Konzepten überein? Es wird gezeigt, dass Form und Funktion innerhalb einer syntaktischen Kategorie (Genus) nicht übereinstimmen. Das heißt, es gibt keine 1:1 Korrelation zwischen der Form und der Funktion des Genus. Dies hat wichtige Auswirkungen auf die syntaktische Darstellung semantischer Kategorien. Als solche hat diese Forschung das Potential, ganz neue Wege in der Forschung zu Kategorien zu eröffnen.

Dieses Forschungsprojekt ist multidisziplinär. Die erwarteten Resultate werden unter anderem für die Sprachpädagogik, die Erforschung von Spracharealen, Sprachtypologie, sowie die theoretische Linguistik von Interesse sein. Auch werden die Ergebnisse für den Sprachunterricht und für die Dokumentation, Erhaltung und Revitalisierung gefährdeter Eingeborenensprachen von Bedeutung sein, da einige der untersuchten Sprachen vom Aussterben bedroht sind (z.B. Manambu, Mian und Nuuchahnulth).







Förderung

DFG

Förderzeitraum

1.4.2016 bis 31.3.2019

Leitung

Dr. Olga Steriopolo